“Verlustfrei ins Digitale”Ludwig Rauch im Interview

Donnerstag, 13. Oktober 2022
Zwischen Seminarraum, Atelier und Museum schaute der Fotograf Ludwig Rauch in der Werkstatt von p:berlin vorbei, um Teile seiner Bestände für eine Ausstellung zu digitalisieren. Wir sprachen mit ihm über Möglichkeiten der Digitalisierung und Perspektiven der künstlerischen Fotografie.

Ludwig Rauch ist seit vielen Jahren als Fotograf im Geschäft. Nach dem Abschluss von zwei Fotografie-Studiengängen – an der Karl-Marx-Universität Leipzig und an der Hochschule für Grafik und Buchkunst bei Arno Fischer – verließ er Anfang 1989 die DDR und arbeitete als freier Fotograf in Westberlin. Seitdem porträtierte er zahlreiche Figuren aus Kunst, Kultur und Öffentlichkeit – von Sigmar Polke bis Rio Reiser und von Muhammed Ali bis Anna Thalbach. Seit 2009 ist Rauch außerdem Dozent an der Ostkreuzschule und betreut regelmäßig die Abschlussjahrgänge. Für seine neueste Ausstellung in Leipzig digitalisierte und druckte er in den p: berlin laboratories einige seiner Arbeiten.

 

Du warst bereits zu DDR-Zeiten als künstlerischer Fotograf und Bildreporter tätig, seit 2009 bist du nun Dozent an der Ostkreuzschule in Berlin. Arbeitest du heute auch noch selber künstlerisch?
Ludwig Rauch: Ja, im Moment bereite ich mich auf meine Ausstellung im Museum der Bildenden Künste in Leipzig vor. Sie wird am 12. Oktober eröffnet und trägt den Titel “Porträt und Abstraktion”. Es wird dort einen Raum mit Porträts von Leipziger Künstlern geben. Das stellt einen Bezug zur großen Ausstellung “Bilderkosmos” im selben Haus her, in der Malerei der Leipziger Schule aus den vergangenen 120 Jahren gezeigt wird. Da ich bereits seit 1982 Künstler porträtiere, lag die Idee nahe, dass wir aus meinen Porträts die Künstler auswählen, deren Bilder in der Ausstellung hängen. Dafür sind auch zuletzt noch acht neue Portraits entstanden, so kommen wir jetzt auf 28 Porträts. In zwei weiteren Räumen werden außerdem aktuelle Arbeiten von mir gezeigt, die eher in den Bereich der Abstraktion gehen und die Verbindung zwischen Fotografie und Malerei erkunden.

Was ist die Verbindung zwischen den Porträts? Und gibt es eine inhaltliche Verbindung zwischen den Porträts und den abstrakten Bildern?
Mein erstes Porträt habe ich 1982 gemacht, das zieht sich seither wie ein roter Faden durch mein Schaffen. Ich habe viele dieser Porträts auch auf meiner Webseite. In den letzten 40 Jahren habe ich vor allem immer wieder Künstler dargestellt. Das ist eine Reminiszenz an diesen Arbeitsbereich. Seit Anfang der 90er Jahre beschäftige ich mich in meinen künstlerischen Arbeiten zunehmend mit der Verbindung zwischen Fotografie und Malerei. Also, was kann die Fotografie, das die Malerei nicht kann, und umgekehrt – diese Fragen faszinieren mich.

Du warst kürzlich in den p: berlin laboratories zu Gast und hast Prints für die Ausstellung gemacht. Kannst du etwas darüber erzählen, wie du den Werkstattbesuch und die Arbeit hier erlebt hast?
Die Werkstatt ist mir schon seit einer Weile vertraut und ich finde die Atmosphäre sehr angenehm. Für die Produktion meiner Ausstellung in Leipzig habe ich die Infrastruktur der Werkstatt nun auch wieder genutzt. Meine Bilder sind oft sehr groß, die kleinsten sind etwa 60 cm an der langen Seite, aber viele haben 1,60 m oder sogar 1,80 m Kantenlänge und es ist immer eine Herausforderung, mit solchen Maßen zu arbeiten. In der Werkstatt von p: berlin kann man aber auch mit so großen Formaten wunderbar arbeiten.

An der neuen Digitalisierungsstation kann man unter anderem viele unterschiedliche Vorlagen und Formate bearbeiten. Hast du die Digitalisierungsstation genutzt und, falls ja, hat sie sich in der Praxis für dich bewährt?
Die Flexibilität der Digitalisierungsstation war einer der Gründe, warum ich mich entschieden habe, es bei euch zu machen. Meine frühen Porträts sind zum Teil noch mit Kleinbild und Schwarzweiß fotografiert, natürlich analog. Aber in 40 Jahren ändert sich natürlich die Aufnahmetechnik. Das Material reicht also von Kleinbild über Mittelformat bis hin zur Plattenkamera, also vier mal fünf Inch. Diese Negative, und teilweise auch Positive, habe ich zwar mal gescannt, aber sie haben natürlich nicht immer die Qualität gehabt, die man braucht, um sie in einer Museumsausstellung zeigen zu können. Da war das neue Gerät in der Werkstatt eine sehr gute Option.

Was hat dir besonders an der Arbeitsweise gefallen?
Die wesentlichen Punkte waren zum einen die Geschwindigkeit und zum anderen das sehr einfache Switchen zwischen den Formaten. Man wechselt einfach nur den Filmhalter aus, das sind zwei Handgriffe, und dann kann man sofort mit dem nächsten Format weiterarbeiten. Das finde ich sehr clever gelöst und es geht vor allem sehr schnell. Effizienz ist ein großes Thema bei unserer Arbeit und es ist wirklich sensationell, wie schnell das geht, wenn man die Einstellung einmal hat. Ich muss aber auch dazu sagen, dass ich von Haus aus mit Phase One und Capture One bereits Erfahrungen habe. Aber Alexander Schippel war als Werkstattleiter auch vor Ort und hat mir wenn nötig sehr gut weitergeholfen und mich angeleitet.

Was geschieht mit den Daten nach der Digitalisierung?
Die Datei, die man erhält, ist sehr groß – sie enthält sicher ebenso viele Informationen wie ein altes Negativ und das reicht bei weitem für alles aus, was man damit dann im Print machen will. Die Daten werden mit dieser hochqualitativen Digitalisierungstechnik quasi verlustfrei aus der analogen Welt ins Digitale übersetzt. Man muss dann natürlich noch Zeit für die Nachbearbeitung investieren, wenn man ein optimales Ergebnis will. Ich habe mir die Dateien mit in mein Atelier genommen und dort bearbeitet, genauso, wie ich es mit analogen Negativen auch mache. Als alles fertig war, bin ich dann wieder hergekommen und habe hier in der Werkstatt alles ausgedruckt.

Du bist auch Dozent an der Ostkreuzschule – ist ein Angebot wie die p: berlin laboratories für deine Schüler:innen wichtig, wo sie Zugang zu High-End-erhalten?
Ich habe den Studierenden ans Herz gelegt, dass sie ihre Arbeiten bei p: berlin drucken können. Die Werkstatt von p: berlin ist einfach ein verlässlicher Ort, um seine Abschlussarbeit zu drucken. Hier werden die Geräte fachkundig betreut und regelmäßig gewartet.

Du bist schon lange in der Fotografie-Szene unterwegs und kennst sowohl den Nachwuchs als auch Leute, die schon lange im Geschäft sind. Welche Rolle spielt aus deiner Sicht ein Verein wie photography unlimited e.V. und welche Funktionen kann er in diesem Kosmos erfüllen, der mit großen Herausforderungen zu kämpfen hat?
Ich finde schon allein mit dem Ort, der hier geschaffen wurde, ist eine interessante Institution, ein spannendes Umfeld entstanden. Generell ist Schöneweide immer eine Reise wert für Foto-Interessierte. Ich denke, das kann sich hier zu einem super Treffpunkt vor allem auch für die jüngeren Fotograf:innen entwickeln. Und die Möglichkeit, hier für einen extrem sportlichen – also geringen – Beitrag seine Archive zu digitalisieren und hochqualitative Drucke zu machen, ist natürlich auch ein Faktor. Ich glaube, dass das hier ein sehr guter Ort für den Austausch ist und ein Treffpunkt für die Szene werden kann.

In der künstlerischen Fotografie wird es zunehmend schwieriger, weil es einen wachsenden kommerziellen Druck gibt. Sind Initiativen wie der Verein photography unlimited e.V., die aus der Szene heraus entstehen, aus deiner Sicht ein guter Weg, um sich für die Zukunft zu rüsten und die Herausforderungen solidarisch anzugehen?
Das ist ein Riesenthema, wo fängt man da an? Als die Pandemie kam, hat man sehr schnell gemerkt, welche finanziellen Schwierigkeiten plötzlich auf viele Fotograf:innen zukamen. Es gab keine Veranstaltungsfotografie mehr und für die Studierenden gab es auch keine Nebenjobs mehr. Junge Fotograf:innen wurden von einer Minute auf die andere teilweise ihrer Existenz beraubt, weil sie keine Möglichkeiten hatten, Geld zu verdienen. Nun kommen der Krieg und die Energiekrise hinzu – der finanzielle Druck wird immer höher und viele Fotograf:innen leiden sehr darunter. Daher sind Angebote wie die Werkstatt von p: berlin, in der man zum kleinen Preis Top-Technik nutzen kann, sehr wichtig in diesen Zeiten. Denn viele Fotografierende können es sich auf Dauer nicht leisten, ihre Arbeiten in große Labore zu geben. Aber es kommen natürlich noch viele weitere Aspekte hinzu – etwa, was an Honoraren gezahlt wird und wo es überhaupt noch Aufträge im Bereich sozial-dokumentarischer Fotografie gibt. Die Zeiten sind im Moment schwierig und ein Angebot wie das von p: berlin hilft sicher vielen, die trotzdem weitermachen und ihre Arbeiten ausstellen wollen.

„Ich lüge dich nicht an“Ein Interview mit dem Fotografen Stephan Gladieu

Dienstag, 4. Oktober 2022
Der Fotograf Stephan Gladieu vermischt in seinen Bildern künstliche Ästhetik und reale Zustände, Dokumentarisches und Künstlerisches. In den p: berlin laboratories entstanden die Prints für seine Ausstellung „Through their eyes“, die noch bis 05.11.2022 in der Joshua Tree Gallery of Contemporary Art zu sehen ist.

„Stephan Gladieu begann seine Karriere 1989 mit der Berichterstattung über Krieg und soziale Fragen und reiste durch Europa, Zentralasien und den Nahen Osten. Der Reporter der ersten Stunde nutzte sehr schnell das Porträt, um die Situation der Menschen auf der ganzen Welt zu veranschaulichen. Heute produziert er immer noch Reportagen und Porträtserien für internationale Magazine, konzentriert sich aber vor allem auf seine persönliche und künstlerische Arbeit mit Porträtserien, deren DNA die Farbe und die strenge Komposition ist. Er mag den ikonischen Charakter eines Bildes, seine Frontalität, seine Lesbarkeit und die Grenze zwischen real und irreal. Seine letzten Serien sind hauptsächlich in Asien und Afrika entstanden. Heute werden die Arbeiten von Stephan Gladieu in führenden Publikationen in Frankreich und international veröffentlicht.” (Quelle: https://www.stephangladieu.fr/bio/)

Das Interview wurde aus dem Englischen übersetzt.

Die Drucke für deine aktuelle Ausstellung „Through their Eyes“ sind in der p: berlin laboratories entstanden. Worum geht es in der Ausstellung?
Die Ausstellung umfasst drei verschiedene Projekte. Das erste ist die Serie „Nordkorea“, eine Serie von Porträts, die das Produkt einer intensiven Auseinandersetzung mit den kulturell-politischen Gemeinschaften innerhalb dieses Staates sind. Dann gibt es „Egungun“, für das ich zum Volk der Yoruba in die Region zwischen Benin und Nigeria gereist bin und die Rituale des Todes und der Ahnen erlebt habe. Und das letzte Projekt war „Homo Detritus“, über das Kunstkollektiv „ daku, ya la vie est belle“ in Kinshasa. Das sind Künstler:innen, die aus dem Müll der Stadt Kostüme und Masken herstellen. Alle meine jüngsten Serien basieren auf einer Art von Porträt, die ich Spiegelporträts nenne. Bei diesen Porträts schauen die Leute immer zu mir oder in mein Objektiv. Wenn du also vor den Bildern stehst, schauen sie dich an. Das hat die Beziehung zu den Bildern für mich völlig verändert, denn es ist eine Face-to-Face-Situation. Außerdem spiele ich mit der ikonischen Darstellung und Bedeutung der Bilder.

Was meinst du, wenn du von Ikonen sprichst?
Ich spreche nicht von dem religiösen Zweck traditioneller Ikonen, sondern eher von der Konzeption einer Ikone als Bild. Das Motiv steht bei diesen Bildern im Mittelpunkt und es schaut einen immer direkt an. Als Bild sind Ikonen sehr einfach, farbenfroh und leicht zu verstehen. Sie wurden geschaffen, um die Aufmerksamkeit der ungebildeten Menschen zu wecken und eine religiöse Botschaft zu vermitteln, die sie leicht verstehen und an die sie glauben können. Es war also wirklich ein Mittel der Kommunikation. Ich spreche nicht darüber, was eine Ikone in Bezug auf die Spiritualität darstellt, ich verwende nur die Techniken und den Bildprozess der Ikonen und setze sie in einen neuen Kontext. Das hat es schon früher gegeben: Zunächst wurden Ikonen verwendet, um eine religiöse Botschaft zu vermitteln, dann wurden sie von den Kommunisten und den Nazis benutzt, um eine politische Botschaft zu übermitteln. Und nach dem Zweiten Weltkrieg nutzten die Amerikaner sie, um uns durch Marketing und Werbung Produkte zu verkaufen. Trotz all dieser Bedeutungsänderungen sind die Grundregeln für Ikonen gleichgeblieben. Es sind sehr einfache Bilder und das Motiv schaut den Betrachter immer direkt an, von Angesicht zu Angesicht.

Du kommst aus der Dokumentarfotografie. Inwieweit beeinflusst das die Art und Weise, wie du jetzt Porträts machst?
Ich lasse mich von der Mischung aus Dokumentation und Ästhetik inspirieren, das ist für mich sehr wichtig. Was man auf meinen Bildern sieht, ist also immer echt: Das Motiv ist echt, der Hintergrund ist echt. Wenn ich ein Porträt mache, habe ich die Person normalerweise sehr nah an dem Ort getroffen, den ich als Hintergrund gewählt habe, vielleicht 60 oder 70 Meter. Inspiriert wurde ich von dem deutschen Fotografen August Sander, der in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts arbeitete und für die Porträtfotografie sehr wichtig war. Er war immer auf der Suche nach der deutschen Identität. Er hatte eine interessante Art, sich den Menschen zu nähern und das inspiriert mich. Der Unterschied ist, dass ich Farbfilm verwende. Ich würde gerne sagen, dass ich ein Kolorist bin, weil ich wirklich gerne mit Farben spiele. Und dafür benutze ich auch Blitzgeräte. Ich bin eigentlich ein Straßenfotograf, der früher in einem mobilen Studio gearbeitet hat, und eines Tages beschloss ich, das tragbare Studio mit auf die Straße zu nehmen.

Gibt es so etwas wie eine rote Linie, die in allen deinen Arbeiten erkennbar ist? Was willst du mit deiner Fotografie vermitteln?
Ich bearbeite meine Bilder nicht wirklich. Der Hintergrund ist der Hintergrund, den ich gefunden habe, die Menschen, die du siehst, sind die Menschen, die ich getroffen habe. Ich wähle die Verbindung, die Beziehung zwischen den Menschen, die ich treffe, und dem Hintergrund, das ist meine einzige Einmischung. Und wie ich schon sagte, ist der Hintergrund nie weiter als hundert Meter von dem Ort entfernt, an dem ich die Menschen getroffen habe. Alles, was du auf den Bildern siehst, ist also real. Was die ästhetischen Regeln angeht, die ich befolge, so mag ich es normalerweise, nicht mehr als drei Farben in einem Bild zu haben, und ich achte sehr darauf, wie ich meine Bilder einrahme. Es gibt also einen bestimmten Prozess, an den ich mich halte, und das ist wichtig für mich, da ich aus der Dokumentarfotografie und dem Fotojournalismus komme.

Warum hast du beschlossen, dich der künstlerischen Fotografie zuzuwenden?
Ich hatte die Art und Weise satt, wie unsere Bilder und ihre Symbolik verwendet werden. Meine Arbeit als Künstler ist für mich ein Weg, die Macht der Symbolik zurückzuerobern und zu kontrollieren, was ich in die Bilder setze. Ich wähle das Thema, ich entwerfe das Bild und ich stelle es dir vor die Nase. Und ich lüge dich nicht an: Man sieht, dass ich da bin, man sieht, wie ich das Licht benutze und es ist sehr direkt. Gleichzeitig spiele ich mit dem Licht und das erzeugt ein Gefühl, bei dem man sich fragt, ob es echt ist oder nicht. Man weiß nicht, ob ich das Bild vor einem Greenscreen oder live vor Ort aufgenommen habe; ob ich das Material in Photoshop bearbeitet und zwei Bilder gemischt habe oder nicht. Ich spiele gerne mit diesem Verhältnis zwischen real und irreal, weil man sich dann fragt: Was ist da? Wo ist die Realität? Was du siehst, ist meine Realität zu einem bestimmten Zeitpunkt, als ich das Bild aufgenommen habe.

Einige der Drucke für deine aktuelle Ausstellung in der Joshua Tree Gallery of Contemporary Art (USA) entstanden in den p: berlin laboratories in Berlin. Wie wichtig ist eine solche Infrastruktur und ihre Verfügbarkeit für dich und deinen Arbeitsprozess?
Es ist sehr wichtig für mich, weil ich die ganze Arbeit, den fotografischen Prozess, den meine Bilder durchlaufen, teile. Ich bin der erste, der in diesem Prozess agiert, wenn ich das Bild vor Ort mit meinen Assistenten aufnehme. Ich wähle das Motiv, den Ort, die Beleuchtung usw.

Dann gibt es die zweite Phase, die Postproduktion. Ich arbeite mit meiner guten Freundin Camille zusammen, die viel jünger ist als ich. Es ist sehr interessant, denn sie ist nie mit mir vor Ort, aber sie kennt mich sehr gut. Wenn ich eine Idee für ein neues Projekt habe, spreche ich immer mit ihr darüber und sie macht mir Vorschläge, wie ich es angehen kann. Sie hilft mir zum Beispiel oft, die richtigen Farben zu finden, denn mit jedem neuen Projekt gibt es eine neue Tonalität.

Und dann gibt es natürlich noch die dritte Phase eines jeden Projekts, den Druck. Das ist einer der wichtigsten Schritte, denn hier wird die Arbeit materialisiert. Deshalb ist es für mich sehr wichtig, Leute zu haben, die meine Arbeitsweise verstehen und die geleistete Arbeit lesen können. Ich bin sehr sensibel, was das angeht. Ich mache mir viele Gedanken über die Wahl des Papiers, die letzten Korrekturen und darüber, wie die Drucke letztendlich aussehen.

Deine Ausstellung „Through their Eyes“ in der Joshua Tree Gallery of Contemporary Art läuft noch bis November 2022 – was wird dein nächstes Projekt sein, was können unsere Leser:innen in Zukunft von dir erwarten?
Zum ersten Mal mache ich ein großes Projekt in Frankreich. Ich mache eine Serie von Porträts von Franzosen im Urlaub. Der Bezug zur französischen Identität ist sehr stark, die Franzosen legen großen Wert auf soziale Rechte und Arbeitnehmerrechte und wir waren das erste Volk, das unter Napoleon eine bezahlte Freistellung von der Arbeit eingeführt hat. Jeder wird also dafür bezahlt, dass er einen Teil des Jahres nicht arbeitet, um seine Familie zu besuchen und sich einfach zu entspannen. Das ist eine sehr französische Sache, denke ich. Ich fahre also von Küste zu Küste, besuche viele typische Urlaubsorte und werde die Menschen in ihrer Urlaubszeit porträtieren. Das Projekt wird 2024 in der französischen Bibliothek ausgestellt, und es wird auch ein Buch geben. Es gibt also eine Menge zu tun.

Mehr Informationen unter:
www.artco-gallery.com
www.stephangladieu.fr

„Das ist mein waches Auge“Sabrina Weniger und ihr dokumentarisches Fotoprojekt „Jasmine the lovebird“

Freitag, 20. Mai 2022
Für ihr Langzeitprojekt zum Thema Transgender begleitet die Fotografin Sabrina Weniger seit 2017 Chieh. Die einfühlsamen Fotografien werden jetzt unter dem Titel „Jasmine the lovebird“ im Aperture Film Lab gezeigt. Die Prints für die Ausstellung entstanden bei p: berlin.

Du hast gerade in der Werkstatt von p: berlin an einem deiner Projekte gearbeitet – worum geht es dabei?
Sabrina Weniger: Ich arbeite an einem Langzeitprojekt mit dem Titel „Jasmine the lovebird“. Dabei begleite ich Chieh und dokumentiere seinen Alltag. Das Thema Transgender ist dabei ein Aspekt von vielen – vorrangig geht es um Identitätssuche. Chieh und ich haben uns seit der Corona Pandemie häufiger getroffen, das Projekt verdichtet. Die Themen wiederholen sich, intensivieren sich, oder neue entstehen.

Was sind das für Themen?
Da ist zum Beispiel das Thema Herkunft: Chieh ist in Taiwan geboren und aufgewachsen, seine Familie ist dann nach Amerika ausgewandert, wo er und seine Schwester zur High School gingen und u.a. auch studierten. Heute lebt Chieh in Deutschland, erst in Düsseldorf, jetzt in Berlin. Ein wichtiger Aspekt seines Lebens sind seine Freunde, die auf der ganzen Welt verteilt leben und auch zu einem wichtigen Teil des Projektes wurden. Im Herbst letzten Jahres habe ich das Projekt ausgestellt. Während des Seminars mit Ina Schoenenburg an der Ostkreuzschule für Fotografie haben wir das Projekt in eine Zwischenform gebracht und sowohl eine Serie für eine Ausstellung als auch für ein kleines Magazin zusammengestellt. Im Magazin selbst sind auch Illustrationen von Chieh und Texte von Teresa Schmidt-Meinecke zu sehen und zu lesen.

Wonach schaust du bei deiner Fotografie, was versuchst du festzuhalten?
Es ist unterschiedlich, aber generell versuche ich, möglichst wenig zu steuern. Bilder entstehen, wenn ich eine Situation begleite, eine Stimmung aufnehme. Im Projekt mit Chieh wiederhole ich teilweise Gesehenes, aber noch nicht Festgehaltenes. Zusätzlich treffen wir uns für geplante Portraits, regelmäßig, immer wieder. Auch um körperliche Veränderungen festzuhalten. Oder nach besonders prägenden Erlebnissen, wie einem Krankenhausbesuch oder nach einer Therapiestunde.

Wie gehst du bei der Arbeit vor?
In meiner Arbeit halte ich mich im Hintergrund und greife selten ein. Generell hadere ich in meiner dokumentarischen Arbeit damit, dass meine Anwesenheit die Situation der Protagonist:innen verändert. Also jede Szene, die ich begleite, verändert sich durch mich – ich als Beobachtende beeinflusse das Beobachtete und umgekehrt. Im Fall des aktuellen Projektes bin ich mittlerweile okay damit, weil Chieh okay damit ist. Zusätzlich versuche ich meine Protagonist:innen nicht in etwas hineinzupressen, was sie nicht sind, sehe aber hin und wieder Dinge, die sie selbst bisher nicht wahrgenommen haben. Das ist mein waches Auge. Auch mag ich einen kollaborativen Ansatz, Fotos gemeinsam entstehen zu lassen.

Was genau hast du in der Werkstatt von p: berlin gemacht?
Ich habe bei p: berlin meine Bilder gescannt und außerdem die Drucke für zwei Ausstellungen im Mai gefertigt.

Wie war für dich als Fotografin die Erfahrung, die Werkstatt zu nutzen?
Ich schätze an der Werkstatt, dass ich dort sehr konzentriert arbeiten kann. Es gibt wenig Ablenkung, so kann ich tief in meine Arbeit einsteigen, ich bin fokussierter. Hin und wieder kommt es auch zu fotografischem Austausch mit anderen Künstler*Innen, was zusätzlich wertvoll ist. Ich mag an p: berlin, dass es wie ein Kollektiv funktioniert: man achtet aufeinander, hilft sich gegenseitig und kann dennoch autark und mit gutem Equipment arbeiten.

Hat dir die Ausstattung der Werkstatt weitergeholfen?
Ja, denn sonst hätte ich die Scans in einem kommerziellen Labor anfertigen lassen müssen und hätte einen weniger direkten Einfluss auf das Resultat gehabt. Dank der Werkstatt kann ich den gesamten Prozess, vom Scannen bis zu den Prints, einheitlich und selbst gestalten. Die Bindung zum Projekt, zur Fotografie wird auch stärker, macht stolz.

Weißt du schon, was dein nächstes Projekt werden wird?
Ich arbeite an einem anderen Langzeitprojekt zum Thema „Altsein“. Nicht nur Altsein, wieder auch Begleitung, ein Tagebuch unseres Sehens. Ich habe einen Freund in München, der Ü80 und Künstler ist, ihn begleite ich bereits seit zehn Jahren. Derzeit versuche ich ihn von einer gemeinsamen Ausstellung zu überzeugen, ich mit Fotografien von ihm und er mit seinen Collagen.

 

Ausstellungen von Sabrina Weniger:
Duo Exhibition – Sabrina Weniger + Ian Wainaina
19.5.–15.8.2022
Aperture Film Lab, Schlüterstraße 68, 10625 Berlin
Gruppenausstellung THERE WE ARE im Rahmen der 8. Triennale der Photographie Hamburg
31.5.–14.6.2022, Eröffnung: 31.5.2022 ab 19 Uhr
Akademie für Fotografie Hamburg, Gaußstraße 149, 22765 Hamburg

Irritation, Pupertät, Neugeburt Jahrgang FÜNFZEHNAbschlussausstellung der Ostkreuzschule

Mittwoch, 4. Mai 2022
Die Absolvent:innen der Ostkreuzschule präsentieren ihre Arbeiten in der Abschlussausstellung „Jahrgang FÜNFZEHN" der Ostkreuzschule – einige der Fotograf:innen druckten und digitalisierten ihre Arbeiten in den Werkstätten von p: photography unlimited e.V.

Bei der Abschlussausstellung „Jahrgang FÜNFZEHN der Ostkreuzschule zeigen 23 Fotograf:innen eine große Bandbreite an Projekten und Positionen. Die Arbeiten bewegen sich in einem breitem Spektrum der Fotografie, die Themen reichen von aktuellen gesellschaftspolitischen Betrachtungen bis hin zu intimen Geschichten und Selbstreflexionen.

Die Künstler:innen zeigen Selbstporträts als Domina, neue Blicke auf städtische Landschaften, sie beobachten das Leben mit Tieren und die Seltsamkeiten des Alltags, dokumentieren Wandel, beschäftigen sich aber auch mit dem kontemplativen Sehen an sich. Betreut wurden die Abschlussarbeiten von den renommierten Fotograf:innen Ute Mahler, Linn Schröder und Göran Gnaudschun.

Die Absolvent:innen hatten bei p: berlin die Möglichkeit, unsere professionell ausgestatteten Workstations für Digitalisierung und zum Printen zu nutzen. Im Digitalen Labor von p: berlin stehen derzeit vier Arbeitsplätze zur Verfügung. An zwei Stationen können mit einem Ink-Jet-Drucker Fine-Art-Prints bis zu 162cm Breite gedruckt werden. Außerdem können an einem Hasselblad X1 Scanner und an einer Phase One Digitalisierungsstation hochauflösende Digitalisate erstellt werden.

Ausgewählte Positionen

Zu den gezeigten Positionen zählen u.a. die Arbeiten von Stephanie Ballantine. Ihre Serie „Degrade me“ ist ein non-lineares fotografisches Tagebuch, in dem Ballantine ihr Selbstbild und ihre Erfahrungen als Domina erforscht. Sie reagiert damit auf die Darstellung von Sexarbeiterinnen in der Kunstgeschichte: als deviant und unmoralisch eingestuft, wird ihnen eine eigene kreative Stimme verwehrt. Pornografie und sexuell explizite Bilder werden von „reinen“ Kunstformen abgegrenzt, wodurch der Stil und die Unmittelbarkeit eines Bildes auf ein erotisches Moment beschränkt werden. „Ich möchte den Betrachter und seine Art der Wahrnehmung irritieren, welche nicht selten durch den männlichen Blick bestimmt wird“, sagt die Künstlerin über ihr Werk. Die Digitalisate der analogen Filme hat Stephanie Ballantine in den Werkstätten von p: berlin erstellt.

Der Fotograf Felix Lampe dokumentiert in seiner Serie „Lichtung“ Brachfelder und Bunker, ehemalige Truppenübungsplätze und aufgelassene Gruben in Brandenburg – Landschaften, die einst vom menschlichen Tun gezeichnet waren und in denen unsere Spuren wieder von der Natur überschrieben werden. „Wie in der Lichtung etwas zum Vorschein kommt und zugleich verborgen bleibt, so spüren die Bilder Orten nach, an denen etwas abwesendes anwest“, sagt der Fotograf. Die entstandenen Aufnahmen strahlen eine eigentümliche Melancholie aus. In der Werkstatt von p: berlin entstanden die Fine-Art-Prints, die Felix Lampe in der Ausstellung zeigen wird.

André Groth zeigt in seinem visuellen Essay „Am Ende der Sonnenallee“ (seit 2021) das Aufwachsen in einer Großsiedlung am Rande des Berliner Bezirks Neukölln. Als die Hochhaussiedlungen in den 1970er und 1980er Jahren im Rahmen des sozialen Wohnungsbaus entstanden, waren sie ein Inbegriff für zeitgemäßes Wohnen. Mit der Öffnung der Berliner Mauer verlor das Quartier seine ruhige Grenzlage, büßte an Attraktivität ein und entwickelte sich in den 1990er Jahren durch eine gescheiterte Stadtplanung und Segregation zum sozialen Brennpunkt. André Groths Fotografien zeigen dort lebende Jungen mit familiärer Zuwanderungsgeschichte und werfen ein Licht auf den Beginn der Pubertät und die Herausforderungen und Verletzlichkeit dieser Lebensphase in der Siedlung. In der Werkstatt von p: berlin digitalisierte André Groth seine Arbeiten.

Die Vergänglichkeit und die damit verbundene Möglichkeit des Neuen beschäftigt Ken Buslay. „Alles Leben entspringt dem Tod eines vorherigen“, schreibt der Fotograf über seine eindrücklichen Aufnahmen. „Vergangenes erfindet sich in neuen Formen. Sie schaffen Leben, zerfallen in ihre Teile um Mutter des Neuen zu werden.“ Die Fotos seiner Serie „Without A Mother, One Cannot Die“ changieren zwischen intimen Porträts und abstrakten Motiven, die eine eigene Magie verbindet. Ken Buslays digitalisiert seine Fotografien bei p: berlin.

Die Ausstellung findet in den Räumen des Art & Fashion House Quartier 206 an der Friedrichstraße statt. Ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm aus Kurator:innen-Führungen, Podiumsdiskussionen und Portfolio-Reviews rundet die Werkschau ab. Die gezeigten Arbeiten werden zudem in einem Ausstellungskatalog sowie individuell gestalteten Fotobüchern und Publikationen präsentiert.

Vernissage: 06. Mai 2022 um 19:00 Uhr
Ausstellungsdauer: 07. Mai – 15. Mai 2022
Ort: Quartier 206, Friedrichstr. 71, 10117 Berlin

Die Abschlussklasse der Ostkreuzschule sind:

Klasse Ute Mahler + Göran Gnaudschun
Alicja Khatchikian, Felix Lampe, Michelle Martins Carvalho, Hannah Haasenritter, Jonathan Scotti, Pascal Reif, Jaakov Pronin, Max Korndörfer, Giulia Facciolo, Sara Toussaint, Sofiane Vergnet

Klasse Ute Mahler + Linn Schröder
Henry Schulz, Ken Buslay, Showmik Khan, Patricia Haas, Anika Spereiter, André Groth, Stephanie Ballantine, Nancy Ludwig, Maria Ugoljew, Ciara-Angela Mission Engelhardt, Katharina Friedrich, Simon Terzer

»VIERZEHN«Abschlußausstellung des Jahrgang 14der Ostkreuzschule

Donnerstag, 5. August 2021
Manou Lee, Charlotte Andrist, Annely Baum, Jonas Berndt, Tamara Eckhardt, Rabea Edel, Julia Fenske, Delia Friemel, Robert Gemming, Caroline Heinecke, Natalia Kepesz, Milan Koch, Maria Mölko, Liam Noack, Aleksandra Sawa, Catharina Tews, Stefan Weger, Ekaterina Zershchikova, Zoe Zizola

Mit der Ausstellung Jahrgang 14 präsentieren die Absolvent:innen der Berliner Ostkreuzschule für Fotografie ihre Abschlussprojekte. Die 18 Arbeiten bewegen sich zwischen dokumentarischer und künstlerischer Fotografie, und behandeln wichtige politische und soziale, wie auch persönlichere Themen: Militärcamps für Kinder in Polen, Umweltzerstörung und Zukunftsdystopien, die NS-Vergangenheit der eigenen Familie, Porträts der russischen Community in Berlin, die künstlerische Auseinandersetzung mit Mental Health, Einblicke in eine isolierte Lebensweise auf einer griechischen Insel, die im heutigen Europa nur noch selten anzutreffen ist, inszenierte Gruppenporträts in Halle-Neustadt, Mikro-und Makro-Kosmos Stadt, absurde Sammlungen, die Zeitenwende des Braunkohleabbaugebiets in der Lausitz, uvm. Ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm rundet die Werkschau ab.

Vernissage: 27.08.2021, 18:00
Ausstellungsdauer: 28.08.-05.09.2021
Location: TreptowAteliers e.V.Wilhelminenhofstr.83-85 D-12459Berlin

BVG: Nahe S-Bahnhof Schöneweide/ Tram 67 Firlstraße/ Bus 365 Wilhelminenhofstr./Edisonstr.
Website: http://www.jahrgangvierzehn.de
Kontakt: info@jahrgangvierzehn.de

p: photography unlimited berlin e.V. ist Produktionspartner der Ausstellung VIERZEHN.
Die Ausstellung wurde zu einem Teil in unseren Werkstätten produziert.

Linn Schröder: Ich denke auch Familienbilder. Buch bei Hartmann BooksAusstellung in den Deichtorhallen Hamburg

Sonntag, 16. Mai 2021
In den Hamburger Deichtorhallen ist ab dem 18. Mai 2021 die Ausstellung Family Affairs zu sehen.

Linn Schröder reiste gemeinsam mit ihren Zwillingstöchtern nach Polen und folgt fotografisch den durch Erzählungen überlieferten Spuren der Flucht ihrer Schwiegermutter aus Oberschlesien, die damals ein junges Mädchen war. So entsteht eine Verbindung aus drei Generationen, der Großmutter, der Mutter und den Töchtern. Aber auch die Kinder einer Freundin und ein Nachbarsjunge werden portraitiert. So entstehen die eindrucksvollen Bilder „Ich denke auch Familienbilder“, die sie in ihrem Künstlerbuch zu Gedankenwelten zusammenfügt und uns über Erinnerungen – eigene und fremde – nachdenken lassen. Eine poetische Bildsprache macht uns nachdenklich über Zeiten, Zeitenbrüche, Menschen und Leben. Die Ausstellung wurde zum Teil bei p: photography unlimited in Berlin produziert.

Für die Buchpublikation, die bei Hartmann Books erscheint, findet derzeit die Crowdfundingkampagne statt.

https://www.startnext.com/ich-denke-auch-familienbilder

Das Buch Ich denke auch Familienbilder erscheint im Mai/Juni 2021 bei bei Hartmann Books.

28,7 × 33,7 cm
116 Seiten, 60 Abb., duplex und farbig
Design: Stefan Stefanescu, Hamburg
Hardcover, Bedrucktes Leinen
ISBN 978-3-96070-067-8
45,00 €.

Jenny Brockmann: „Drawing Gertrud Grunow“mit Paulina Olszewska, Katja Erfurth und Philipp Thimm

Mittwoch, 28. August 2019
Die Berliner Künstlerin Jenny Brockmann war bei uns und hat ein Bild für ihre neueste Performance „Drawing Gertrud Grunow“ produziert, die im Rahmen der Eröffnung der bauhauswoche berlin 2019 zur Aufführung kommt. Es ist uns eine besondere Freude, auf die bauhauswoche berlin 2019 und vor allem auf Jennys Performance hinzuweisen. Die Eröffnung mit der Performance ist öffentlich, jedeR ist herzlich eingeladen zu kommen.

Die Künstlerin Jenny Brockmann hat gemeinsam mit der Kunstwissenschaftlerin Paulina Olszewska für die Eröffnung der bauhauswoche eine Performance konzipiert. Darin konzentrieren sie sich auf Gertrud Grunow, die erste und einzige weibliche Bauhausmeisterin am Weimarer Bauhaus. Klänge, Farben und Bewegung bilden die Grundlage der „Harmonisierungstheorie“, die Grunow am Bauhaus lehrte. Alle Sinne sollten gleich und harmonisch genutzt werden. Die Klasse war bei Studenten und Meistern gleichermaßen beliebt.

Gertrud Grunows Leben und Werk wird in Hinblick auf das Bauhaus selten erwähnt und ist heute nahezu vergessen. Wie bei vielen anderen Frauenbiografien muss auf rekonstruktive Forschung zurückgegriffen werden.

Die Performance ist Teil eines mehrteiligen Werkes aus Lecture Performances, Installationen und interaktiven Objekten, das bereits in Weimar und New York gezeigt wurde und bei dem die Unterrichtsmethoden Gertrud Grunows als Ausgangspunkt dienten.

Jenny Brockmann: „Drawing Gertrud Grunow“ mit Paulina Olszewska (Kunstgeschichte), Katja Erfurth (Choreografie), Philipp Thimm (experimentelle Musik/APPARAT)

bauhauswoche berlin 2019, 31.08. bis 08.09.
Eröffnung: 30.08., 18 Uhr, Ernst-Reuter-Platz (Mittelinsel),
10587 Berlin-Charlottenburg

www.bauhaus100.berlin

»Seltsame Zeiten, mein Liebling«,Eröffnung am 30. November 2018 ab 19 Uhrmit Nora Lina Merten, Ludwig Nikulski u.a.

Dienstag, 27. November 2018
»Seltsame Zeiten, mein Liebling«, lautet der schöne Titel einer Fotoausstellung in den Räumen der »Kapelle« am Zionskirchplatz auf die wir Euch/Sie aufmerksam machen wollen.

Seltsame Zeiten, denn die Kneipe/Café/Bar »Kapelle«, seit mindestens 25 Jahren eine Institution am Zionskirchplatz, gibt es seit Sommer nicht mehr. Was aus den Räumen werden wird, steht wohl noch in den Sternen.

Diese Zeit der Nutzungsunschärfe nutzen fünf Fotograf*innen, um hier ihre Sicht auf die Welt zu präsentieren: Jacintha Nolte, Mark Le Ruez, Nora Lina Merten, Ludwig Nikulski und Hannah Francke erwecken den Ort noch ein letztes Mal vor dem Komplettumbau zum Leben.

Nora Lina Merten hat ihre farbige Arbeit »Wenn es fliegt, fällt es zum Himmel« bei uns im Digitallabor produziert und Ludwig Nikulski die Abzüge für seine Schwarz-Weiß-Serie »Romantik« bei uns im analogen Labor. Keine »seltsamen Zeiten«, sondern genau das, was wir uns wünschen: Digital und Analog vereint in einer Ausstellung, beides professionell bei uns handgefertigt. Mehr davon!

Die Eröffnung findet am 30. November 2018 ab 19 Uhr in der »Kapelle«, Zionskirchstraße 22–24 statt. Die Ausstellung läuft bis zum 9. Dezember 2018 und ist zwischen 14 und 20 Uhr geöffnet.

Wann: 1. Dezember bis 9. Dezember 2018
Eröffnung: 30. November 2018, ab 19 Uhr
Wo: »Kapelle«, Zionskirchstraße 22–24, 10119 Berlin-Prenzlauer Berg
Öffnungszeiten: . tägl. 14.00 – 20.00 Uhr