Irritation, Pupertät, Neugeburt Jahrgang FÜNFZEHNAbschlussausstellung der Ostkreuzschule

Mittwoch, 4. Mai 2022
Die Absolvent:innen der Ostkreuzschule präsentieren ihre Arbeiten in der Abschlussausstellung „Jahrgang FÜNFZEHN" der Ostkreuzschule – einige der Fotograf:innen druckten und digitalisierten ihre Arbeiten in den Werkstätten von p: photography unlimited e.V.

Bei der Abschlussausstellung „Jahrgang FÜNFZEHN der Ostkreuzschule zeigen 23 Fotograf:innen eine große Bandbreite an Projekten und Positionen. Die Arbeiten bewegen sich in einem breitem Spektrum der Fotografie, die Themen reichen von aktuellen gesellschaftspolitischen Betrachtungen bis hin zu intimen Geschichten und Selbstreflexionen.

Die Künstler:innen zeigen Selbstporträts als Domina, neue Blicke auf städtische Landschaften, sie beobachten das Leben mit Tieren und die Seltsamkeiten des Alltags, dokumentieren Wandel, beschäftigen sich aber auch mit dem kontemplativen Sehen an sich. Betreut wurden die Abschlussarbeiten von den renommierten Fotograf:innen Ute Mahler, Linn Schröder und Göran Gnaudschun.

Die Absolvent:innen hatten bei p: berlin die Möglichkeit, unsere professionell ausgestatteten Workstations für Digitalisierung und zum Printen zu nutzen. Im Digitalen Labor von p: berlin stehen derzeit vier Arbeitsplätze zur Verfügung. An zwei Stationen können mit einem Ink-Jet-Drucker Fine-Art-Prints bis zu 162cm Breite gedruckt werden. Außerdem können an einem Hasselblad X1 Scanner und an einer Phase One Digitalisierungsstation hochauflösende Digitalisate erstellt werden.

Ausgewählte Positionen

Zu den gezeigten Positionen zählen u.a. die Arbeiten von Stephanie Ballantine. Ihre Serie „Degrade me“ ist ein non-lineares fotografisches Tagebuch, in dem Ballantine ihr Selbstbild und ihre Erfahrungen als Domina erforscht. Sie reagiert damit auf die Darstellung von Sexarbeiterinnen in der Kunstgeschichte: als deviant und unmoralisch eingestuft, wird ihnen eine eigene kreative Stimme verwehrt. Pornografie und sexuell explizite Bilder werden von „reinen“ Kunstformen abgegrenzt, wodurch der Stil und die Unmittelbarkeit eines Bildes auf ein erotisches Moment beschränkt werden. „Ich möchte den Betrachter und seine Art der Wahrnehmung irritieren, welche nicht selten durch den männlichen Blick bestimmt wird“, sagt die Künstlerin über ihr Werk. Die Digitalisate der analogen Filme hat Stephanie Ballantine in den Werkstätten von p: berlin erstellt.

Der Fotograf Felix Lampe dokumentiert in seiner Serie „Lichtung“ Brachfelder und Bunker, ehemalige Truppenübungsplätze und aufgelassene Gruben in Brandenburg – Landschaften, die einst vom menschlichen Tun gezeichnet waren und in denen unsere Spuren wieder von der Natur überschrieben werden. „Wie in der Lichtung etwas zum Vorschein kommt und zugleich verborgen bleibt, so spüren die Bilder Orten nach, an denen etwas abwesendes anwest“, sagt der Fotograf. Die entstandenen Aufnahmen strahlen eine eigentümliche Melancholie aus. In der Werkstatt von p: berlin entstanden die Fine-Art-Prints, die Felix Lampe in der Ausstellung zeigen wird.

André Groth zeigt in seinem visuellen Essay „Am Ende der Sonnenallee“ (seit 2021) das Aufwachsen in einer Großsiedlung am Rande des Berliner Bezirks Neukölln. Als die Hochhaussiedlungen in den 1970er und 1980er Jahren im Rahmen des sozialen Wohnungsbaus entstanden, waren sie ein Inbegriff für zeitgemäßes Wohnen. Mit der Öffnung der Berliner Mauer verlor das Quartier seine ruhige Grenzlage, büßte an Attraktivität ein und entwickelte sich in den 1990er Jahren durch eine gescheiterte Stadtplanung und Segregation zum sozialen Brennpunkt. André Groths Fotografien zeigen dort lebende Jungen mit familiärer Zuwanderungsgeschichte und werfen ein Licht auf den Beginn der Pubertät und die Herausforderungen und Verletzlichkeit dieser Lebensphase in der Siedlung. In der Werkstatt von p: berlin digitalisierte André Groth seine Arbeiten.

Die Vergänglichkeit und die damit verbundene Möglichkeit des Neuen beschäftigt Ken Buslay. „Alles Leben entspringt dem Tod eines vorherigen“, schreibt der Fotograf über seine eindrücklichen Aufnahmen. „Vergangenes erfindet sich in neuen Formen. Sie schaffen Leben, zerfallen in ihre Teile um Mutter des Neuen zu werden.“ Die Fotos seiner Serie „Without A Mother, One Cannot Die“ changieren zwischen intimen Porträts und abstrakten Motiven, die eine eigene Magie verbindet. Ken Buslays digitalisiert seine Fotografien bei p: berlin.

Die Ausstellung findet in den Räumen des Art & Fashion House Quartier 206 an der Friedrichstraße statt. Ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm aus Kurator:innen-Führungen, Podiumsdiskussionen und Portfolio-Reviews rundet die Werkschau ab. Die gezeigten Arbeiten werden zudem in einem Ausstellungskatalog sowie individuell gestalteten Fotobüchern und Publikationen präsentiert.

Vernissage: 06. Mai 2022 um 19:00 Uhr
Ausstellungsdauer: 07. Mai – 15. Mai 2022
Ort: Quartier 206, Friedrichstr. 71, 10117 Berlin

Die Abschlussklasse der Ostkreuzschule sind:

Klasse Ute Mahler + Göran Gnaudschun
Alicja Khatchikian, Felix Lampe, Michelle Martins Carvalho, Hannah Haasenritter, Jonathan Scotti, Pascal Reif, Jaakov Pronin, Max Korndörfer, Giulia Facciolo, Sara Toussaint, Sofiane Vergnet

Klasse Ute Mahler + Linn Schröder
Henry Schulz, Ken Buslay, Showmik Khan, Patricia Haas, Anika Spereiter, André Groth, Stephanie Ballantine, Nancy Ludwig, Maria Ugoljew, Ciara-Angela Mission Engelhardt, Katharina Friedrich, Simon Terzer